Seestraße Zeuthen: Unsere Allee - Passé? Nee!

Unsere Allee zwischen Zeuthen und Eichwalde - 261 vitale alte Bäume, vor allem Linden, die die Seestraße seit nunmehr 80-100 Jahren prägen - sollen  bald für die "grundhafte Sanierung" der Straße gefällt werden!

 

 

Wir sind grundsätzlich für eine Sanierung der Straße und Bürgersteige! Diese Sanierung muss aber unter Beachtung des gesetzlichen Alleenschutzes mit allen verfügbaren technischen Alternativen geprüft und realisiert werden. 

 

Bestes Beispiel, dass dies funktioniert ist die Linden-/Fontaneallee.

  

Obwohl das Genehmigungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist, erschien im Februar 2023 eine DPA-Meldung, welche suggerierte, dass nun zeitnah mit der Umsetzung der Baumaßnahme inklusive der Fällung der Allee begonnen wird !  Diese Falschinformation haben wir zum Anlass genommen, um die breite Öffentlichkeit über das Vorhaben und die Planungs-/Verfahrensfehler zu informieren.

 

In unserer Chronik, siehe PDF unten, sind die wesentlichen Fakten zum Projekt bzw. Verfahren aufgeführt.

 

Bei unserer Demo am 11.11. waren wir 230 Teilnehmende - Vielen Dank für Eure Unterstützung! Unter anderem berichteten die MAZ und der rbb tagesaktuell.

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Chronik der „Planung Ausbau der L 401 in der Ortsdurchfahrt Zeuthen“ (Amtsdeutsch für die Allee an der Seestraße)
2023_CHRONIK Allee Seestr..pdf
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Was war und ist in der Seestraße geplant?

Bereits seit 2016 plant der Landesbetrieb Straßenwesen eine „grundhafte Sanierung“ der Seestraße zwischen der Alten Poststraße/Goethestraße und Eichwalde.

 

Eine Genehmigung im Rahmen des erforderlichen „Planfeststellungsverfahrens“ ist noch NICHT erteilt, jedoch absehbar.

 

Die öffentlichen Beteiligungsverfahren sind bereits abgeschlossen. Eine Planänderung durch die eingegangenen knapp 100 kritischen Stellungnahmen erfolgte bisher nicht.

 

Bis heute gibt es keine ausreichende Alternativenprüfung des Vorhabensträgers (Landesbetrieb für Straßenwesen), die den Gesetzen zum Alleenschutz Rechnung tragen.

Diese sieht der Gesetzgeber aber explizit vor:

-        insbesondere in Hinblick auf die technische Ausführung

-        und auf die Erforderlichkeit einer „grundhaften“ Sanierung für das Erreichen der Zielstellung (mehr Sicherheit, geringere Geräuschemissionen)

 

Die Alternativenprüfung erfordert zwingend die Untersuchung einer Ausführungsvariante, welche auf den Erhalt der Alleebäume gerichtet ist. Eine solche Prüfung hat der Antragsteller - Landesbetrieb Straßenwesen - schlicht und ergreifend nicht unternommen.

 

Die Gemeinde Zeuthen hatte im Jahr 2018 beschlossen, dass die alte Linden-Allee erhalten bleiben soll. Fällungen sollten nur als ultima ratio vorgenommen werden. Leider hat sich die Gemeinde seitdem eher passiv verhalten und den Worten sind keine Taten gefolgt.

Der Landesbetrieb Straßenwesen verfolgt weiterhin, mit zuletzt mehrheitsfähigem Beschluss zur Fällung für die Straßenerneuerung seitens der Gemeinde, seine Pläne zur Fällung der Allee.

 

Die Neuplanung sieht eine symmetrische Ausgestaltung der Straße wie bisher vor. Die aktuelle Fahrbahnbreite beträgt 7,20 m. Die neue Fahrbahnbreite soll 6,50 m betragen. Alle gesetzlich geschützten Alt-Bäume sollen weichen. Die Aufteilung von Fahrbahn, Grünstreifen und Gehweg würde damit nahezu identisch ausfallen. Die neuen Bäume würden an nahezu denselben Stellen der alten Bäume gepflanzt. Ein Fahrradweg ist nicht vorgesehen!

Der Wegfall von ca. 70 cm Fahrbahnbreite soll dem Abstand der Bäume zur Straße zugutekommen, bietet aber für eine gute Entwicklung der Jungbäume noch immer zu wenig Raum. 

 

Nicht nur die Fahrgeschwindigkeit würde sich wieder von 30 auf 50 km/h erhöhen. Auch der Durchgangsverkehr würde höchstwahrscheinlich ansteigen und damit erneut die Lärmbelästigung für AnwohnerInnen und möglicherweise Gefahren für Kinder und RadfahrerInnen. 

 

Damit bliebe die Straßenraumaufteilung unterm Strich beim Alten, würde aber nicht zuletzt die Zerstörung der Allee und ihrer lebenswichtigen Funktionen mit sich bringen, mehr Verkehr anziehen, weniger Lärm absorbieren und neuen Lärm verursachen! Das typische Alleebild, mit dem straßenübergreifenden Kronenschluss der Bäume, würde es so künftig nicht mehr in der Seestraße geben.

Was ist UNSER ZIEL?

 

Wir - das sind der NABU Landesverband Brandenburg e.V., der NABU Regionalverband Dahmeland e.V. sowie die örtlich aktive Bürgerinitiative "pro Allee".

  • Wir sind grundsätzlich für eine Sanierung der Straße und Bürgersteige! Diese Sanierung muss aber mit allen verfügbaren technischen Alternativen geprüft und realisiert werden, sodass der geschützte Baumbestand in Form der geschlossenen Allee erhalten bleibt!
  • Eine „grundhafte Sanierung“ ist nicht erforderlich und die Fällung aller Alleebäume nicht „alternativlos“ (definierter Rechtsbegriff)! Es muss eine verträgliche Ausführungsvariante für die Erhaltung der Allee geben!
  • Zusammen mit dem NABU Landesverband Brandenburg werden wir rechtliche Schritte einleiten, sofern die Genehmigung erteilt und öffentlich gemacht ist.

 

Welche BEDEUTUNG hat unsere Allee?

 

Alleen haben identitätsstiftenden Wert für viele Zeuthener BürgerInnen - das ergaben nicht zuletzt Umfragen und Werkstattverfahren im Rahmen des Zeuthener Leitbild-Prozesses.

 

  • Unsere Allee in der Seestraße ist seit 80 - 100 Jahren ein wichtiger Bestandteil unseres  „grünen“ Ortsbildes
  • Unsere Allee trägt erheblich zum Gartenstadtcharakter bei, der Zeuthen so lebenswert macht.
  • Unsere Allee ist ein Kulturgut. Die Bäume haben sich erfolgreich an die Standortbedingungen angepasst.
  • Die Alt-Bäume sind Schatten- und Sauerstoffspender, binden CO2 und Feinstaub und sind unverzichtbar, um das lokale Klima durch Frischluftproduktion und Abkühlung zu verbessern. 
  • Unsere Allee leistet einen hohen Beitrag zur Luftreinhaltung, durch Absorption der Boots-, Bahn-, Flug- und sogar Straßenverkehrsemissionen.
  • Unsere Allee bietet Lebensraum für zahlreiche Vögel, Fledermäuse und Insekten. Ihre Zerstörung bedeutet den Wegfall ihrer wertvollen Habitate. Solche fast 100 Jahre lang gewachsenen Habitatstrukturen lassen sich nicht durch künstliche Nisthilfen/Quartiere adäquat ausgleichen.
  • Ein funktionaler Ausgleich durch Neupflanzungen ist praktisch unmöglich. Der Klimawandel und die veränderten Umweltbedingungen erschweren es Jungbäumen, überhaupt anzuwachsen. Bis sie groß genug sind, den Wert und all die wichtigen Funktionen der Alt-Bäume zu ersetzen, dauert es Jahrzehnte. 

 

Was sind einige der möglichen ALTERNATIVEN/VARIANTEN?

  • Das Vorbild, die Linden-/Fontaneallee zwischen Zeuthen und Wildau (s. Fotos unten), zeigt eine funktionierende Alternative.
  • Denkbar wäre auch das Aufbringen eines Asphaltbelages auf den vorhandenen Straßenbelag (nach Entfernung des Pflasters). Denn große Bereiche der Seestraße verfügen bereits über einen soliden Unterbau in Betonbauweise! Damit bliebe das Wurzelwerk unangetastet.
  • Eine vielleicht unkonventionelle Alternative wäre die fachgerechte Reparatur / Teilerneuerung - womöglich unter Erhaltung des vorhandenen Straßenbelages. Verbunden mit Tempo 30 erhielte man Sicherheit, Lärmreduktion und die perfekte Erhaltung des Ortsbildes. 

Grundsätzlich ist zu überprüfen, ob eine veraltete Planung den heute immer deutlicher werdenden Anforderungen an Klima- und Naturschutz Rechnung trägt! Die jetzige Planung ist aus unserer Sicht schlicht aus der Zeit gefallen.

Du willst Dich auch für die Erhaltung der Allee einsetzen?

1. Wir brauchen Dich und Euch als Fürsprecher – für die behutsame Sanierung der Seestraße und Bürgersteige mit fachgerechter Alternativenprüfung unter Erhaltung aller gesunden Alleebäume als unser natürliches und kulturelles Erbe!

 

2. Bitte informiert Familien, Freunde und Bekannte und unterstützt uns somit als Multiplikatoren!

 

3. Darüber hinaus haben wir eine Online-Petition ins Leben gerufen. Unterschreiben könnt ihr hier:

https://www.openpetition.de/petition/online/seestrasse-zeuthen-unsere-allee-passe-ne

 

Unterschriftenlisten liegen auch im Bioladen "Löwenzahn" Zeuthen aus.

 

Jeder Zeuthener und Nichtzeuthener kann unterschreiben.

Die gesammelten Unterschriften werden von uns pressewirksam an den Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg, die Genehmigungsbehörde (das Landesamt für Bauen und Verkehr), das Umweltamt Lübben und die Gemeindevertretung Zeuthen übergeben (haben jedoch nur symbolischen Charakter).

 

 

4. Wir organisieren die Öffentlichkeitsarbeit, Demo usw. rein ehrenamtlich. Die Anwaltskosten werden bisweilen ausschließlich durch Spenden finanziert. Ihr wollt uns unterstützen?

 

Spendet gerne zweckgebunden für die Erhaltung der Allee in der Seestraße (Ortsdurchfahrt, kurz OD Zeuthen - L401) auf folgendes Konto:

 

NABU Brandenburg e.V.

Konto: DE57 1009 0000 1797 7420 11

Verwendungszweck: "OD Zeuthen"

 

Spenden sind steuerlich absetzbar!

Falls eine Spendenquittung benötigt wird, meldet Euch bitte bei: Manuela Brecht (E-Mail: brecht@nabu-brandenburg.de)

Die Allee ist gesetzlich geschützt!

Grundsätzlich gilt in Brandenburg, dass Alleen gemäß §17 Abs. 1 des Brandenburgischen Naturschutzausführungsgesetzes

(BbgNatSchAG) gesetzlich

geschützt sind.

Sie „dürfen nicht beseitigt, zerstört, beschädigt oder sonst erheblich oder nachhaltig beeinträchtigt werden“.

Eine Alternativenprüfung ist gesetzlich verpflichtend - wurde hier jedoch völlig vernachlässigt!

Zitate aus den Planunterlagen:

„…Die Vitalität der betroffenen Bäume wurde überwiegend relativ hoch eingestuft. Die meisten

betroffenen Bäume sind Bestandteil der mit sehr hoch bewerteten Allee (BRAG, BRAL). Alleen sind

nach § 17 BbgNatSchAG geschützt. …“

 

„…Ein prägendes Element der Ortsdurchfahrt ist

die straßenbegleitende Allee.“

 

Im Verfahren sind alle Möglichkeiten zur Erhaltung der Alleebäume und alle Alternativlösungen zu

prüfen und auszuschöpfen. 

Wie der Konikt gelöst werden soll und wie Alternativen der Planung aussehen können (die im Verfahren zwingend geprüft werden müssen!), wird in den Unterlagen schlichtweg nicht dargestellt.

 

Wirtschaftliche Interessen, technische oder „funktionale“ Aspekte dürfen grundsätzlich nicht zu Lasten des geschützten Alleenbestandes gehen.“

(Quelle: Leitfaden Alleenschutz. S. 2)

Kontaktiere uns gern

Bürgerinitiative "pro Allee"

 

Kontakt per Mail:

seestrasse@nabu-dahmeland.de

 

In Kooperation mit dem NABU Landesverband Brandenburg e.V. sowie NABU Dahmeland e.V.