NABU RV Dahmeland Themen

Hier veöffentlichen wir ausgesuchte Beiträge zu verschiedenen Themen

Bedeutung der ehemaligen Rieselfelder für die Artenvielfalt

Gisela Deckert

Die Rieselfelder dienten der Verrieselung von Abwässern der Städte und Kommunen bis die Gefahr erkannt wurde, dass damit das Grundwasser kontaminiert wird.

Die Rieselfelder wurden stillgelegt, bei uns bei Deutsch Wusterhausen, Ragow und Boddinsfelde. Da der Boden stark mit Schadstoffen belastet ist, können auch keine Kulturen für Lebensmittel angebaut werden. So blieben die Flächen seit über 20 Jahren unbearbeitet. Was mag hier naturschutzfachlich wertvoll sein?

Dem Besucher bietet sich eine mit Feldwegen durchzogene weite Graslandschaft mit Weg begleitenden alten Obstbäumen, blühenden Kräutern, Gräben und Böschungen bewachsen mit Sträuchern und Bäumen der verschiedensten Arten und vielen Holunderbüschen.

Im Spätsommer wurde gemäht, aber nicht radikal, sondern nur Teilflächen. Vor allem wurde weder gedüngt noch Unkraut- oder Insektenvertilgungsmittel gespritzt noch Gehölze und Krautsäume beseitigt, wie sonst überall auf den intensiv bewirtschafteten Agrarflächen. Die weite strukturreiche Wiesenlandschaft wurde zum Refugium für zahlreiche gefährdete und streng geschützte Vogelarten in hoher Individuenzahl, die sich hierhin aus den für sie fast unbewohnbaren „normalen“  Agrarflächen zurückziehen konnten. Vor etwa 60 Jahren lebten diese Vögel der offenen Landschaft noch zahlreich auf genutzten Feldern und Wiesen.

Der Schwund der Biodiversität in Brandenburg und in ganz Deutschland, ja weltweit ist in hohem Maße besorgniserregend. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine hohe Vielfalt an Arten, einschließlich genetischer und Lebensraumvielfalt, lebensnotwendig für die  Menschheit ist. Weltweite Kongresse und Entschließungen zur Besserung der heutigen Zustände beweisen das, nur fehlt es erheblich an der Durchsetzung nicht nur in Entwicklungsländern, sondern genauso bei uns. Die Charakterarten der Agrarflächen weisen die größten Verluste auf. Die Feldlerche ist in Deutschland  um 78 % zurückgegangen.

Es kommen Entscheidungsträgern langsam Zweifel auf, ob nicht nachhaltige schonende Landwirtschaft und Qualität der Produkte doch besser und gesünder wäre, als Quantität.

Die Rieselfelder sind außerdem ein wichtiges Naherholungsgebiet für Königs Wusterhausen und für das vom Flughafen Schönefeld umgesiedelte Diepensee. Naturerlebnisse mit Vogelgesang, mit vielen bunten Blüten und Schmetterlingen geben wieder Kraft für den Alltag. Dies erleben Spaziergänger, Radfahrer und Reiter.

Die Rieselfelder sind auch historisch interessant. Man erkennt noch die Strukturen und alte Absatzbecken, jetzt besiedelt von seltenen Kräutern. Es sind Denkmäler vergangener Nutzung.

Im Rahmen der deutschlandweiten Kartierungen der Brutvögel durch ehrenamtliche Ornithologen hat NABU-Mitglied Bernd Ludwig bei Ragow, Deutsch Wusterhausen und Boddinsfelde (teils auch im Auftrag der unteren Naturschutzbehörde im Landkreis Dahme-Spreewald) umfangreiche Untersuchungen der Vogelwelt durchgeführt:

Es brüten hier 62 Vogelarten, davon stehen 16 auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Außerdem besuchen noch weitere 56 Vogelarten das Gebiet regelmäßig zur Nahrungssuche. Von diesen stehen 20 auf der Roten Liste.

Zum Vergleich: auf intensiv genutzten Feldern und Wiesen brüten nur  3 bis 4  Vogelarten und diese außerdem noch spärlich. Zur Nahrungssuche kommen Vögel viel seltener und kaum mehr als 6 Arten. Keine der Arten ist gefährdet.

Besonders hervorzuheben ist, dass auf den Rieselfeldern noch Wachtelkönige brüten. Bernd Ludwig hat hier in den letzten Jahren 19 bis 25 rufende Männchen kartiert. Bei noch intensiverer nächtlicher Kontrolle der großen Grasflächen sind noch mehr zu erwarten.. Bei dieser Vogelart gibt es immer erhebliche Populationsschwankungen, vielleicht verursacht durch weite Wanderwege ins Winterquartier nach Südafrika. Der Wachtelkönig hat in unserem Raum im Vergleich zu Zeiten vor 60 Jahren durch Intensivierung der Landwirtschaft um etwa 98 % abgenommen. Diese Vogelart, auch Wiesenralle genannt, ist nach der Europäischen Vogelschutz-Richtlinie Anhang I streng geschützt,  deren Habitat nicht zerstört werden darf. Sie gehört zu den Vogelarten, die nach den tierökologischen Abstandskriterien für den Bau von Windkraftanlagen nach Brandenburgischen Erlass, Windräder nicht erlaubt.

Fledermäuse jagen über diesen insektenreichen Flächen, wie viele ist noch gänzlich unbekannt.

Artenvielfalt gilt oft immer noch als wertlos. Investoren lockt das lukrative Geschäft für Windparks und  Mais für Biosprit. Die Berliner Stadtgüter als Eigentümer der Rieselfelder, versuchen hartnäckig, obwohl von Behörden mehrmals abgelehnt, die Flächen gewinnbringend zu vermarkten.

Alle bisherigen Erfahrungen und Untersuchungen beweisen, dass die meisten Vogelarten, auch in der Individuenzahl und fast, meistens sogar alle Fledermäuse nach Errichtung von Windparks verschwinden und die Brutplätze der geschützten und gefährdeten Vogelarten auf Photovoltaik-Flächen verloren sind. Die Vögel können nirgends ausweichen, weil es ihren Lebensraum kaum noch gibt.

Fledermäuse sind nicht in der Lage, die Rotorblätter zu erkennen, die sich je nach Windgeschwindigkeit mit 100 bis 400 km pro Stunde bewegen. Viele dieser nächtlichen Jäger kommen hier zu Tode. Da sie nur ein Junges pro Jahr aufziehen, können sie diese hohen Verluste nicht ausgleichen.

Das Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin hat mit Hilfe von  Untersuchungen der Wasserstoffatome im Fell der verunglückten Fledermäuse herausgefunden, dass  in hohem Maße ziehende Fledermäuse aus Nordosteuropa und Skandinavien betroffen sind. Je weiter im Norden, je höher liegt der Anteil des leichteren Wasserstoff-Isotops im Fell. Nach den Todfunden der Fledermäuse unter Windrädern kommen mindestens 200 000 Fledermäuse jährlich in Deutschland ums Leben.

Erholung im Industriegebiet?  Es ist lebensgefährlich im Windpark spazieren zu gehen. Schilder weisen darauf hin. Außerdem fehlt völlig das Naturerlebnis, Ruhe und Ästhetik. Reiterhöfe würden ihre Existenz verlieren.

Durch Klimaänderungen, in welcher Richtung auch immer, sind Arten besonders gefährdet, deren Bestände durch Lebensraumzerstörung schon reduziert sind. Die genetische Variabilität reicht dann nicht mehr, sich an neue Bedingungen anzupassen.  Deshalb ist es jetzt wichtiger denn je, Vielfalt zu erhalten. Aus diesem Grund kann auch nicht ein Teil der Rieselfelder anderweitig verwendet werden.

In ausgeräumter Feldlandschaft gibt es genug Platz für Solaranlagen und andere erneuerbare Energien als gerade auf den Hotspots der Artenvielfalt auf ehemaligen Rieselfeldern und in struktur- und artenreichen Mischwäldern. Der energieaufwändige Anbau von Mais und Raps, oft noch auf umgebrochenen Niedermooren, dient ohnehin nicht dem Klimaschutz, sondern ist nichts anderes als eine Fehlentwicklung.

Gesetze zur Erhaltung der Artenvielfalt reichen aus, um die einmalige Diversität der Feldvogelgemeinschaft auf den ehemaligen Rieselfeldern zu sichern. Wir vom NABU setzen uns  gegen die hartnäckigen Widerstände der Landeigentümer und Investoren mit aller Kraft dafür ein.  

 

Pflanzenarchiv des Botanikers Adolf Straus ist jetzt im Internet abrufbar

Adolf Straus wurde 1904 in Berlin geboren.Zunächst befasste er sich mit der Erforschung der Fossilien, später war er an den botanischen Kartierungen Deutschlands beteiligt und beschäftigte sich intensiv mit dem Gebiet umGroß Köris,wo er damals neben Berlin auch lebte. Zeitweilig leitete der die Pilzabteilung des Botanischen Museums in Berlin Dahlem. Nach dem Zweiten Weltkrieg hielt Straus viele naturkundliche Vorträge und Exkursionen.
Adolf Straus starb 1986 in Berlin (West). Ein Gedenkstein am Naturlehrpfad Tornower See erinnert an den Märkischen Botaniker.

Der Nachlass von Adolf Straus in Form seiner großen Fundortdatensammlung ist jetzt verfügbar auf den Internetseiten des Botanischen Vereins von Berlin und Brandenburg unter dem Link Nachlass Adolf Straus.

Die Natur soll ihre Moore zurückerhalten

Regelmäßigen und aufmerksamen Nutzern des Radfernweges Berlin-Usedom fällt die Veränderung im Naturpark Barnim sofort ins Auge: in den Wäldern bei Biesenthal werden die Moore immer kleiner oder trocknen sogar aus. Wo bis vor kurzer Zeit eine bräunlich-schwarze Wasserfläche durch die Bäume rechts und links des Weges schimmerte, erkennt der Naturbeobachter nur noch eine feuchte Stelle inmitten einer ausgetrockneten Waldfläche.

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