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Naturschutz trauert um Karl-Heinz Wollenberg  

(16. Dezember 1936 – 28. März 2013)  

Beim regionalen Naturschutztag des Landkreises Dahme-Spreewald vor zwei Wochen wurde an ihn erinnert. Dies war eigentlich selbstverständlich, ging es doch in einem der Vorträge um die heimischen Lurche und Kriechtiere.  Karl-Heinz Wollenberg hatte sich dieser Tiergruppe besonders angenommen. Als Leiter er Fachgruppe „Feldherpetologie“  kartierte er  über 25 Jahre lang alle Vorkommen von Fröschen, Molchen,  Schlangen, Eidechsen und Sumpfschildkröten im Dahmeland. Er organisierte Pflegeeinsätze,  hielt Vorträge, betreute Naturschutz-und Terrarien-Ausstellungen, schrieb naturkundliche Artikel.   Zahlreiche Schutzgebiete wie „Höllengrund-Pulverberge“, „Niederlehmer Tonteiche“, „Tiergarten“ oder „Pätzer Kiesgrube“ gehen auf seine Initiative zurück.   In den brandenburgischen Landschaften betreute Karl-Heinz Wollenberg einige der letzten Smaragdeidechsen-Vorkommen. Karl-Heinz Wollenberg  leistete im wahrsten Sinne unermüdlich tägliche Naturschutzarbeit.  Sein Wirken war dabei immer komplex, heute würden wir ganzheitlich dazu sagen.  

Sein naturnaher Garten, nahe seiner Wohnung in Wildau, angelegt und betreut zusammen mit seiner Frau Erika,  war ein Lehr- und Sichtungsgarten für naturnahe Pflanzenverwendung und Lebensraumgestaltung. Der, direkt  an den Garten angrenzende Kurpark wurde nach seinen Plänen und unter seiner Projektleitung nach der Wende aus dem Dornröschenschlaf erweckt und zu einem Kleinod, nicht nur der Parkgestaltung, sondern auch für Pflanzen, Tiere und Menschen! 

Karl-Heinz Wollenberg‘s Hinwendung zur Natur zeigte sich bereits bei seiner Berufsauswahl. Er wurde Forstfacharbeiter.  Darauf aufbauend, verbunden mit dem besonderen Interesse für Gesteine, studierte er später in Zwickau Geologie.  Seinen  Arbeitsplatz fand er am Geologischen Institut in Berlin.  Hier war er in der Tiefenerkundung von Rohstoffen tätig  und  lernte so viele Landschaften in der DDR intensiv kennen.  Von seinen Vorgesetzten geduldet, wahrscheinlich sogar unterstützt, konnte er von seiner Berliner Büroarbeitsstelle relativ viel Naturschutzarbeit organisieren. 

Als er im Zuge der Wende seinen Arbeitsplatz als „Vorruheständler “ verlor, erschütterte  ihn dies zuerst sehr. Im Zuge von Eigentumsübertragungen verlor die Familie in dieser Zeit auch ihren ersten Wildauer Garten.  Doch Karl-Heinz Wollenberg war immer auch optimistisch. So dauerte es nicht lange und er gestaltete seinen neuen Garten am Kurpark. Seine Anregungen und Pläne für den Kurpark wurden in der Kommune unterstützt. Es entstand das ABM-Projekt Kurpark.  Es waren noch einmal glückliche Jahre voller Ideen und Umsetzungen für den Naturschützer Karl-Heinz Wollenberg. Sein Wirken und Wissen war sehr geschätzt. Jahrelang war  Karl-Heinz Wollenberg im Naturschutzbeirat des Landkreises.  Für  seine ehrenamtliche Arbeit erhielt er mehrere Auszeichnungen, so auch den Naturschutzpreis des Landkreises Dahme-Spreewald.

Was uns Naturschutz-Mitstreitern zuerst kaum auffiel, wir vielleicht auch nicht wahrnehmen wollten, in der Zeit nach 2000 fiel es Karl-Heinz Wollenberg zunehmend schwer, Vorträge zu halten oder Beiträge zu verfassen.  In der Folge zog er sich auch immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Es waren die ersten Zeichen der heimtückischen Krankheit, die von ihm langsam, aber fort greifend Besitz ergriff. In den letzten Jahren lebte Karl Heinz ohne Bezug zu „unserer“ Welt in einem Pflegeheim.  Am  Gründonnerstag ist er nun ganz von uns gegangen.

Der NABU Regionalverband Dahmeland verliert mit Karl-Heinz Wollenberg einen seiner  Mitbegründer und  aktivsten Weggefährten des Naturschutzes. Wir trauern um einen wirklichen Freund. Durch sein Wirken wird er weiter unter uns sein.

Hans Sonnenberg

Foto: Archiv NABU / Klaus Sonnenberg

 

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